g bach KBPorträt: Gabriele Bach

Interview: Monika Modersitzki

Erstellt: 11.12.2019

- Die Gröbenzeller Quiltgruppe wurde von Irene Kahmann gegründet und zuerst auch geleitet. 2010 hast du die Leitung übernommen. Du hast die monatlichen Treffen geleitet, Ausflüge der Gruppe sowie Workshops organisiert, und, und, und... Welche Arbeit hat dir am meisten Spaß gemacht?

Das Organisieren an sich hat mir keinen Spaß gemacht, aber die Ausflüge, Workshops und selbstverständlich die Ausstellungen. Ein ganz besonderes Highlight ist immer die Nähwoche in Grainau, tolle Umgebung, gutes Essen, freundliches Personal und den ganzen Tag Zeit zu nähen und sich bei Bedarf mit den anderen aus der Gruppe auszutauschen.

- Wie bist du zum Quilten gekommen, wie bist du in die GQ gekommen?

Nähen habe ich bei meiner Mutter gelernt. Mitte der 1980er Jahre entdeckte ich Patchworkbücher in der Bücherei Aachen, wo wir damals lebten. Ich war gleich ganz begeistert und probierte meine ersten Patchworkblöcke aus, damals aber mit einer Tretnähmaschine und selbstgemachten Schablonen aus Pappe. Das war mir dann doch zu mühsam. Ein paar Jahre später, inzwischen hatte ich eine elektrische Nähmaschine, lernte ich in einem VHS-Kurs Lineal, Cutter und Matte kennen. Gleich am 1. Kursabend wurde ich zur überzeugten Quilterin.
Als wir nach Gröbenzell zogen habe ich im Patchworkgildeheft nach Quiltgruppen gesucht, damals war das Internet noch nicht allgegenwärtig. Es hat mich sehr gefreut, daß mich die Gröbenzeller Quiltgruppe, aufgenommen hat. Von denen hatte ich schon so viele tolle Sachen gelesen.

- Hast du auch andere Gruppen geleitet? Gibst du Kurse?

Bevor wir nach Gröbenzell zogen, waren wir eine kleine Gruppe von 5 Frauen in Bad Rappenau. Dort hatte ich Anfängerkurse gegeben und auch jetzt wieder einige in Gröbenzell.

- In der Patchwork Gilde Deutschland e.V. hattest du auch Aufgaben, oder?

In der Gilde war ich 10 Jahre Kassenprüferin. Damals war die Amtszeit der Kassenprüfer nicht begrenzt. Jedes 2. Jahr, wenn wieder die Wahl anstand, wurde ich gebeten, mich doch bitte wieder zur Verfügung zu stellen.

rose g bach- Reichst du deine Arbeiten für Wettbewerbe ein? Wo konntest du angenommenen Quilts ausstellen?

Hin und wieder beteilige ich mich an Ausschreibungen, wenn mir das Thema und der Zeitrahmen passen. Mit einem Quilt war ich an der Ausstellung „Tischlein deck dich“ von der Deutsch-Afghanischen Initiative unter Pascale Goldenberg beteiligt. Meine „Rose“ zum 10-jährigen Geburtstag der European Quilt Association war in mehr europäischen Ländern ausgestellt, als ich bisher selbst besucht habe.

- Werden Quilts in anderen Ländern eher als Kunst betrachtet als in Deutschland? Was konntest du erfahren?

Meiner Erfahrung nach werden in Frankreich, Großbritannien und den USA Handarbeiten und Quilts wesentlich mehr geschätzt.

- Als Kuratorin warst du für die Ausstellungen der Gröbenzeller Quilterinnen verantwortlich. Welche Ausstellung war für dich besonders gelungen und warum?

Das ist eine schwierige Frage. Jeder Ausstellungsraum ist anders; auch wenn man eine Ausstellung zum 3. Mal zeigt, ist es immer eine Herausforderung sich an die Gegebenheiten anzupassen. Ich fand es immer sehr befriedigend, wenn all unsere Quilts wieder ein sehenswertes Ganzes ergaben.
Etwas Besonderes war 2013 unsere Ausstellung „Wege“ auf der Textile Art in Berlin. Der zur Verfügung stehende Raum sah ganz anders aus, als bei unserer Besichtigung ein Jahr vorher. Nach vielen Überlegungen haben wir die Quilts teils an der Wand und teils am Boden präsentiert, das sah dann richtig toll aus. Das gefiel auch anderen sehr gut, so daß wir dort für das Jahr 2015 zum europäischen Patchworktreffen im Val d’Argent eingeladen wurden.
Aber auch unsere Ausstellung dieses Jahr in Gröbenzell gefiel mir sehr. Die großen antiken Carequilts, die zum Gebrauch bestimmt waren, mit ihrer Geschichte und unseren kleineren, modernen Märchenquilts ergaben eine reizvolle Zusammenstellung.

 

- Welche Aufgaben waren schwierig?

Am schwierigsten fand ich all die bürokratischen Anforderungen einer Ausstellung, insbesondere für die von uns selbst organisierte Ausstellung in Gröbenzell. Im Laufe der Jahre sind die Vorschriften für die Benutzung des Saales in Gröbenzell immer aufwendiger geworden.

- Hattest du Unterstützung von deiner Familie?

Meine Familie hat mich immer unterstützt, jeder hat mal meine Texte nachgelesen und darüber diskutiert, ob meine Ideen Sinn machen oder nicht.
Unser Sohn hat für die letzten beiden Ausstellungen das Plakat und die Einladungen entworfen.
Unsere Tochter ist inzwischen auch Mitglied unserer Gruppe, sie unterstützt mich bei der Webseite.
Mein Mann hat gerne Gäste der Gruppe bei uns aufgenommen und sich um sie gekümmert. Er hat mich zu vielen Ausstellungen begleitet und natürlich oft beim Aufbauen geholfen.

- Was würdest du als deinen größten Erfolg als Vorsitzende ansehen?

Die Gröbenzeller Quiltgruppe hatte einen hervorragenden Ruf, schon damals als ich im Jahr 2000 Mitglied wurde. Ich bin stolz darauf, daß wir unser Niveau gehalten, bzw nach manchen Meinungen sogar verbessert haben.

- Unter deiner Leitung entstand unsere neue Webseite. Warum ist die Internetpräsenz für die Gröbenzeller Quiltgruppe wichtig? Sollten wir für unsere Arbeit und insbesondere für unsere Ausstellungen auch andere Medien verstärkt nutzen?

Heute ist es selbstverständlich, alle Informationen im Internet zu finden. Unsere Quiltgruppe und alles Wichtige zu unseren Ausstellungen und dem jährlichen „Show and Tell“ werden viel leichter auf unserer Webseite gefunden, als wenn Interessierte mühsam auf anderen Wegen danach suchen müßten
Seit einiger Zeit gibt es die DIY-Bewegung, darunter viele Jüngere, die auch gerne nähen. Es wäre schön, wenn wir diese erreichen könnten, als Besucher unseres „Show and Tell“ und/oder unserer Ausstellungen oder gar als neue Mitglieder. Allerdings ist es sehr zeitaufwendig neben unserer Webseite auch noch in anderen sozialen Medien präsent zu sein. Wir verbringen unsere Zeit lieber an der Nähmaschine.

- Welche Aufgaben wirst du in der Gruppe weiterführen?

Ich werde mich weiter um die Webseite der Gruppe kümmern und wie es sich ergibt, weitere Aufgaben übernehmen.

- Du hörst jetzt auf mit der Arbeit als Vorsitzende, beendest du diese Arbeit mit zwei lachenden Augen oder eher mit einem lachenden und einem weinenden Auge?

Meine größte Sorge war es, daß vielleicht niemand meine Arbeit weiterführen wollte. Jetzt, wo mit Lisa alles weitergeht, habe ich mit zwei lachenden Augen die Arbeit beendet.

- Was wünscht du deiner Nachfolgerin Lisa?

Keine weiteren bürokratischen Vorschriften, viel Unterstützung aus der Gruppe und dann natürlich viele erfolgreiche Ausstellungen!

- Die Zeit, die du der Gröbenzller Quiltgruppe im Amt als Vorsitzende zur Verfügung gestellt hast, gehört jetzt dir. Die nächste Ausstellung steht an; aus reinem Eigeninteresse können wir uns nur wünschen: Näh nun mehr Quilts für die Gruppe!
Gabriele, wir danken dir für deine großartige Arbeit als Vorsitzende der Gröbenzeller Quiltgruppe.