lisa marie röhrl 

Porträt: Lisa Marie Röhrl

Interview: Monika Modersitzki
Erstellt: 23.10.2019

Seit Oktober 2019 ist Lisa Marie Röhrl die neue Vorsitzende der Gröbenzeller Quiltgruppe. Sie löst Gabriele Bach, die diese Aufgabe 9 Jahre lang mit großem Erfolg und Engagement erfüllte, ab. Lisa wird die Gröbenzeller Quilterinnen in der Öffentlichkeit vertreten und wird Ansprechpartnerin für die zukünftigen Ausstellungen sein. Lisa ist US-Amerikanerin und lebt mit ihrer Familie in Gröbenzell.

- Lisa, seit Oktober 2019 bist du die Leiterin und 1. Vorsitzende der Gröbenzeller Quiltgruppe. Wie fühlt sich das an?

Es fühlt sich gut an, dass die Gruppe mir so viel Vertrauen entgegenbringt, obwohl ich mit meinen 5 Jahren Mitgliedschaft immer noch ein „Neuling” bin. Ein bisschen bange ist mir schon. Es sitzen Jahrhunderte von Erfahrung in dieser Gruppe! Dieser Reichtum wird mir aber eine große Hilfe sein. Ich freue mich, wenn ich kreativ, organisatorisch und menschlich zum weiteren Erfolg der Gruppe beitragen kann.

- Wie bist du eigentlich zum Quilten gekommen?

Tatsächlich über eine Ausstellung der Gruppe vor über 20 Jahren, als ich noch ganz neu in Gröbenzell war. Ich war begeistert und kaufte dort das Buch Easy Baby Quilts. Davon war nichts easy - alles mit der Hand geschnitten, 6 verschiedene Dinos appliziert, viele (verzogene) gleichschenklige Dreiecke eingesetzt, kein Walking Foot, nichts für eine Anfängerin. Trotzdem war ich infiziert.... Ironischerweise hat mein erster Quilt meine Mutter in den USA erst zum Quilten gebracht. Sie gründete dann die „Piecemakers“.

- Was fasziniert dich am Nähen?

Als Kind lernte ich das Nähen von meiner Mutter, die Hobbyschneiderin war. Bis ich verheiratet war, habe ich nur Kleidung genäht, auch viele Kostüme für die Arbeit und mein eigenes Brautkleid. Ich liebte es, aus einem Schnittmuster und einen selbstgewählten Stoff ein originelles, eigenes Kleidungsstück zu fertigen. Es war für mich wie Magie, eine Art Geheimnis. Als junge Mutter nähte ich Kinderkleidung und irgendwann verschiedenste Taschen, die ich auf Hobbymärkten verkaufte.

- Wie bist du zu den Gröbenzeller Quilterinnen gestoßen und welche Funktionen hattest du bisher in der Gruppe?

Vor der Orient Ausstellung 2016 hatte Gabriele Bach mich oft eingeladen, der Gruppe beizutreten. Damals gab ich schon Kindernähkurse im Jugendzentrum und dachte, mit den Kindern etwas für die Ausstellung zu nähen, wäre eine tolle Herausforderung. Das würde nur gehen, wenn ich Mitglied wäre. Die Gruppe hat mich aufgenommen und für die Jugendarbeit zuständig gemacht. Seitdem habe ich viele kleinere Aufgaben übernommen: Öffentlichkeitsarbeit, neue Verbindungen in der Gemeinde, Nähtreff für Flüchtlinge mit Gabriele, später den 2.Vorsitz.

 

kissen

- Wir kennen dich als sehr soziale Person. Du engagierst dich nicht nur in der Gröbenzeller Quiltgruppe, du arbeitest auch in der Flüchtlingshilfe und bist in der Jugendarbeit aktiv. In unserer Ausstellung „Blick in den Orient“ konnten die Besucher auch die Kissen bewundern, die du mit den Kindern genäht hattest. Zudem unterstützt du Pascale Goldenberg bei ihrem Stickprojekt Guldusi in Afghanistan. Kannst du ein bisschen von diesen Aktivitäten berichten? Wie sieht dein Engagement hier aus?

Vor Jahren habe ich für die Theaterwoche beim Jugendzentrum „Impuls“ Kostüme für ein an das Dschungelbuch angelehnte Musical entworfen und genäht. Ich sammelte Nähmaschinen und Stoffe und brachte sie ins Impuls damit die 8 – 12 jährigen Kinder (auch Jungs) ihre Kostüme selbst nähen konnten, oder es zumindest probierten. Es war so ein Spaß und Riesenerfolg, dass man mich bat, Kinderkurse anzubieten. Die laufen immer noch gut. Für Momo haben wir die Kostüme auch so gemacht und ganz viele Sakkos für die grauen Herren geändert. Diese wurden uns von der Kleiderkammer, wo ich seit Jahren aushelfe, zur Verfügung gestellt.

In der Flüchtlingshilfe bin ich nur noch über die Kleiderkammer involviert. Der Nähtreff für Flüchtlinge mit Gabriele Bach lief nach ein paar schönen Jahren nicht mehr, weil so viele wegen der Deutschkurse keine Zeit mehr hatten. Eine junge afghanische Frau ist Zahnarzthelferin geworden, fertig mit der Ausbildung und angestellt! Sie näht aber daheim weiter.

Über die Quiltgruppe lernte ich Pascale Goldenberg kennen. Sie stellte in Gröbenzell Forest Forever aus und ich meldete mich als Aufsichtsperson. Im Gespräch erfuhr sie, dass ich Englisch spreche und bat mich bei Übersetzungen zu helfen. Ich schrieb einen Artikel über das Stickprogramm auf Englisch für das Embroidery Magazine. Seitdem bin ich für Guldusi ehrenamtliche Helferin. Stickereien verkaufe ich beim „Gröbenzell ist Bunt“-Fest und auf dem Textilmarkt in Benediktbeuern. Für „Keep Your Eye on the Planet“ nähte ich einen Quilt zum Thema Plastik im Ozean - Where has all the plastic gone? Für das Galeriebuch zur Ausstellung habe ich die englische Übersetzung gemacht.
Das war eine tolle, spannende Arbeit mit Pascale und Sarah Käsmayr vom Maro Verlag, alles nur über Email und Telefon.

 

where has all the plastic gone l m röhrl

 

- Welchen von den Quilts, die du bisher genäht hast, würdest du als deinen Lieblingsquilt bezeichnen?

Hmmm, nicht so einfach. Im Moment Die Zertanzten Schuhe für unsere Märchen Ausstellung.

- Warum hast du gerade diesen gewählt? Welche Geschichte ist mit dem Quilt verbunden?

Ich liebe die Geschichte und die wunderschönen Illustrationen im Bilderbuch meiner Kinder. Verschiedene Schuhe in den tollsten Farben aus Fetzen zu nähen war der reinste Spaß. Dann noch Wälder in Silber, Gold und Diamant zu besticken - noch eine Leidenschaft von mir. Das ganze umrahmt von Seide, die Irene Kriz und Gundi Wanney gefärbt hatten. Das fühlt sich so schön an. Vielleicht hängt meine Älteste den Quilt in ihrer Wohnung auf.

- Du hast ja nicht nur Quilts genäht, du hast auch aus alten Tabakkisten Handtaschen gemacht. Wie bist du darauf gekommen?

Eine Cousine in USA zeigte mir eine solche Tasche, die sie in Florida für viel Geld gekauft hatte. Die Idee war reizvoll, die Verarbeitung ziemlich schlecht. Ich ging in einen Tabakladen bei Boston und hatte dort meine ersten Kisten geschenkt bekommen. Zurück in München klapperte ich auch hier die Läden ab. In den Kisten habe ich richtige kleine ‘Landschaften’ genäht, geklebt, gequiltet und gepolstert, mit allem Zubehör für eine Dame. Manche beließ ich ohne Griff als Schmuckschatullen. Sie verkauften sich gut und dekorieren bestimmt noch die eine oder andere Vitrine. Meine zog in der Wiener Oper Blicke auf sich!

- Bitte ein Statement zur Zukunft der Gröbenzeller Quiltgruppe unter deiner Leitung:

Da muss ich lächeln, weil ich so froh bin, dass es weiter geht. Die große Erfahrung der Gruppe (die ich schon erwähnte), die Kreativität, das Engagement und die Gemeinschaft sind zusammen ein riesiger Schatz. Was ich vielleicht noch dazu beitragen kann, sind Ideen, die aus einem anderen Blickwinkel kommen. Eben weil ich noch nicht so lange dabei bin und eine ganz andere Geschichte habe, kann ich vielleicht ungehemmt Impulse geben und etwas Neues einbringen. Manchmal merke ich, dass die Amerikanerin in mir positive Kräfte freisetzt. Ich denke: Ja, diese tolle Idee ist schwierig, probieren wir aber trotzdem. Das ‚wie’ kommt danach und die Umsetzung wird toll. Die Planungen für eine Ausstellung 2022 laufen schon, die Funken in der Gruppe sprühen und werden sich bald wieder zu einem tollen Thema verdichten. Mehr verrate ich nicht... Wer dabei sein möchte kann sich gerne bei uns vorstellen.