Porträt Uschi Roscher

 

Porträt: Uschi Roscher

Interview: Monika Modersitzki

Erstellt: 27.9.2021

Dass Uschi Roscher gerne erzählt und damit nicht nur die Jüngsten begeistert, hat sie bereits als Märchenerzählerin bei der 11. Gröbenzeller Quiltausstellung mit dem Thema: #erzählt #gefärbt #genäht, Märchen – Erinnerungen gezeigt.

Uschi Märchenerzählerin

- Uschi, nähst du gerne?

Jetzt ja.

- Früher also nicht. Und wie ist es denn dazu gekommen?

Ich hatte nur linke Daumen an meinen Fingern. In der Schule sollte ich zwar Handarbeiten machen, meine Mutter bekam für meine Arbeiten immer nur eine 4 und das war sehr demotivierend.

Fukushima Uschi Roscher 

- Und wie hast du dann das Quilten angefangen?

Eine schwere Geburt. Meinen ersten Quilt habe ich mit 14 oder 15 gesehen und zwar im Heimatmuseum von Frankenmut, Michigan, USA. Der hing dort, der war so hundert Jahre alt. Er war zerschlissen und sehr benutzt. Ich sehe ihn heute noch genau vor mir. Ein Four Patch-Quilt, also lauter kleine Quadrätchen, ca. 10 x 10 cm, aneinandergenäht. Da dachte ich mir: Wenn ich mal nähen würde, könnte ich das auch nähen – Quadrate aneinander nähen. Aber mir wurde sehr von der Familie abgeraten weil - da verwendet man nur alte Stoffe und die sind sowieso schon so brüchig. Ich soll es lieber nicht machen. Habe ich auch nicht gemacht (lacht).

- Wie und wann hast du dann letztendlich angefangen?

Fast 100 Jahre später.

- Was, 100 Jahre später? Wie alt bist du eigentlich? Wow (Lachen). Bleiben wir mal bei der Wahrheit, also seit wann quiltest du?

Ich meine nach ewig langer Zeit. Seit Anfang der 90er Jahre. In der Grundschule in München/Großhadern gab es Handarbeitsunterricht für Mädchen und Werken für Buben. Meine schwachen Bemühungen Sticken und Stricken zu erlernen waren erfolglos. Meine Mama, die dann die Stick- und Strickarbeiten für mich zuhause erledigte, war auch nicht sehr erfolgreich. Sie bekam für mich meine einzige 4 im Zeugnis für ihre Bemühungen. Ich dachte, dass ich für jede Art von Handarbeiten nur linke Daumen hätte. Es zogen fast 30 Jahre ins Land, bis ich mich traute zu handarbeiten - und dann mit großer Freude und Begeisterung. Ach, hätte doch die Handarbeitslehrerin diese Begeisterung wecken und fördern können. Drum liebe Handarbeitslehrerinnen! Freut Euch, wenn Eure Schülerinnen kreativ und begeisterungsfähig sind. Ich sehe, was Eli Thomae bei den Patch-Kids erreicht, was für wunderbares Patchwork bei den Kindern genäht wird. Und noch nachträglich wünsche ich mir: Hätten doch meine Mitschülerinnen und ich solch eine gute und fröhliche Handarbeitslehrerin gehabt! Nie hätte ich eine 4 für die mühseligen Arbeiten meiner Mutter bekommen. Ich habe, nachdem meine zwei Töchter geboren wurden, auch stricken und häkeln gelernt. Wie gesagt, in der Schule habe ich das nicht gelernt, weil meine Mutter das für mich gemacht hat, um überhaupt weiterzukommen (lacht). Aber ich konnte nachher sehr schöne Mickey Mäuse einstricken und ich konnte auch ein Pferd in einen Pullover einstricken. Ich fand das ganz toll, dass ich das gelernt habe. Genauso ist es mir mit dem Nähen ergangen. Wenn wir in der heutigen Zeit noch Klassentreffen haben von der Grundschule, da hieß es dann - Was, du nähst?

- Es geht. Wenn man will, geht das. Erinnerst du dich noch an deinen persönlichen Einstieg in das Quilten?

Bewusst habe ich in Südafrika Quilts gesehen. Wir waren auf einer Farm. Dort waren Schafe und die Wolle wurde ausgelegt, nicht zum Verspinnen, sondern für die Füllung von Quilts. Wir waren zusammen gesessen und ich weiß noch, dass ich mit einer rostigen Nagelschere Dreieckchen zugeschnitten habe, die vorher aufgezeichnet waren. Auf einem Stoff mit Kugelschreiber war das aufgezeichnet und ich dachte mir: Wenn das gewaschen wird, aber dazu kam es dann ja nicht.

- Wie hast du die Herstellung von Quilts erlernt?

In Deutschland habe ich meine ersten Kurse in Schwäbisch Gmünd gemacht. Da hatte eine Dame ein Stoffgeschäft und bot Quiltkurse an. Es wurde per Hand mit Dreieckchen, die mit der Schere zugeschnitten wurden, zuerst geheftet und auf Stoff genäht und dann mit der Hand zusammen genäht. Das war ein mühsames Geschäft und es ist nicht fertig geworden. Ich hatte viele sehr gute Lehrerinnen - und einen Lehrer. Nach Kursen in Schwäbisch Gmünd brachte mir Bernadette Mayer in Kempten sehr viel bei. Zuversicht und Können kamen langsam. Kurse bei Dorle Stern-Straeter. In den Seminaren mit und von Dörte Bach im wundervollen stilvollen Irsee gewann ich Sicherheit, Selbstvertrauen und die sehr tief schlummernde Kreativität wurde geweckt. Mein erster Quilt, der fertig geworden ist, den habe ich auf Rasterquick genäht. Wenn ich mit der Nähmaschine genäht habe, bin ich zum Schluss immer nach rechts außen gegangen. Da habe ich Log Cabin dann lieber auf Rasterquick genäht. Es warenhauptsächlich blaue Töne aus gesammelten, alten Stoffen. Stoffe mit Erinnerung. Ein Oberhemd von meinem Mann, aber das war von der Firma, die die Oberhemden geschickt hat. Sie haben immer noch so ein Stückchen Stoff dabei gelegt. Daraus habe ich das gemacht. Ich hatte zwei Körbe neben der Nähmaschine stehen: einen rechts für dunkel und einen links für hell. Und je nach dem, was ich zu nähen hatte, habe ich daraus die Stoffteile genommen. Der Quilt ist fertig geworden und wird heute auch noch benutzt.

- Wie wurdest Du Mitglied in der Gröbenzeller Quiltgruppe?

Seit gut 10 Jahren bin ich sehr gerne richtiges Mitglied der Gruppe. Schon 1996 nahm ich bei Irene Kahmannin in Gröbenzell an Kursen teil, als die israelischen Quilterinnen unterrichteten und die Quilterinnen aus Australien. Wir waren - beruflich bedingt - 30 Jahre im schönen Schwabenland. Dort war ich in zwei sehr guten Quiltgruppen: dem Urbacher "Näh-Köpfle" und bei den "Kapitelsquilterinnen" in Schwäbisch Gmünd. Nach der Pensionierung meines Mannes kamen wir wieder in die Münchner Gegend zurück, in die Nähe der Nachkommen. Da war es naheliegend zur Quiltgruppe Gröbenzell zu stoßen, da ich fast alle Quilterinnen - auch von anderen gemeinsamen Kursen - kannte. Ich bin sehr gerne Mitglied hier, wurde freundlich und lieb aufgenommen und freue mich auf jedes persönliche Zusammensein!

orientalisches rotes Perlentor Uschi Roscher

- Hast du an Ausstellungen teilgenommen?

Ich habe teilgenommen an Ausstellungen in Stuttgart, in Schwäbisch Gmünd. Ich habe auch etwas verkauft, den Milleniums - Quilt von 1999 auf 2000. Das war ähnlich wie ein Kettenbrief, bloß kannte man ja die Quilterinnen über drei Ecken. Man schickt ein Stückchen Stoff an eine und bekommt etwas zurück. Das waren Stoffstückchen aus der ganzen Welt im Austausch. Der Quilt war per Hand genäht, Vorder- und Rückseite gleich und den habe ich dann verkauft.

- Nähst Du lieber traditionell oder modern?

Beides macht mir Freude, im Gees-Bend-Kurs lernte ich mutig zu sein, mutig mit den Farben und mutig mit dem freien Schneiden. Und traditionell: Da habe ich Freude am Handnähen. Ich bin immer ganz begeistert, wenn aus fingernagelgroßen Hexagönchen ein Bild entsteht. Perlen in allen Größen und Farben nähe ich auch gern auf. Ganz besonders gerne nähe ich für soziale Projekte: niedliche Decken für Frühchen in der Kinderklinik, Quilts für SOS-Kinderdörfer, Nesteldecken für Senioren und positive Quilts für die Palliativ-Station.

Farben Uschi Roscher

- In unserer Gruppe bist du bekannt, dass du gerne mit der Hand nähst. Und dass du gerne Geschichten erzählst.

Seven Sisters Uschi Roscher

Ich nähe genau so gerne mit der Maschine. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Maschine, ich gucke sie nur an und sie näht. Soll ich die Geschichte von der Nähmaschine erzählen?

- Ja!

Ich habe genäht und da hatte das Telefon geklingelt. Ich bin ans Telefon gegangen, dachte, es wäre nur ein kurzes Gespräch, war aber ein längeres Gespräch. Unser Hund ist beim Nähen immer zu meinen Füßen gelegen, sie hatte sich inzwischen auf das Fußpedal gelegt und diese halbe Stunde nähte die Maschine ununterbrochen - brbrbr - also ich hatte einen nähenden Hund.

- Und wie ist der Quilt geworden?

Da war ja nichts mehr da. Die Maschine nähte und nähte. Ich war ja froh, dass sie nicht in Rauch aufgegangen ist. Die Nähmaschine war dann nicht mehr gebrauchsfähig und die Packung hatte ich auch nicht mehr. Wer hebt schon die Verpackung der Nähmaschine auf, dann bin ich zur Post gegangen: Ich möchte gerne diese Nähmaschine an Herrn Schumm schicken - das ist mein Nähmaschinenmann. Den hatte ich vorher angerufen: Mach mal so, mach mal dieses auf - aber das hat alles nichts genützt. Dann hat mir die Dame von der Post die Nähmaschine verpackt, die gute Seele, und das ist zum Herrn Schumm geschickt worden. Der hat die Maschine repariert und mir wieder zurückgeschickt. Seitdem näht sie ununterbrochen.

- Erzählst Du noch etwas von Dir persönlich?

Sehr gerne. Ich bin seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Wir haben zwei Töchter, zwei Schwiegersöhne und vier Enkelmädchen. Wir wohnen alle in der Nähe und sehen uns fast täglich, auch zur Enkelbetreuung. Abends ist dann aber jeder wieder in seinem eigenen Zuhause.