elke modlmayr

Porträt: Elke Modlmayer

Interview: Monika Modersitzki

Erstellt: 9.12.2022

 - Elke, wie bist du zum Nähen gekommen? Genäht habe ich schon, da war ich noch nicht mal in der Schule,

und zwar habe ich das Nähen auf einer Tischmaschine mit Handkurbel gelernt. Meine Mutter und meine Oma haben viel genäht. Da war es normal, dass ich auch nähte. Zuerst Puppenkleider und dann habe ich mir auch kleine Sachen alleine genäht. Ich war später in der Frauenfachschule in Freiburg, da habe ich das Nähen dann richtig gelernt. Es war ein großer Zufall, wie ich zum Patchwork gekommen bin. Ich war Weihnachten eingeladen und die Dame sagte: „Ich habe bei der VHS einen Kurs belegt und will das Nähen lernen.“ Ich fand das komisch, dass man zuerst Stoffe auseinanderschneidet und dann wieder zusammennäht. Zuhause dachte ich mir dann: Eigentlich ist das gar nicht so schlecht. Das war 1990. Den ersten Kurs habe ich dann 1991/92 bei Irene Kahmann gemacht und seit der Zeit bin ich dabei. Es hat mich gefesselt. Ich habe dann nie mehr aufgehört

- Wie sah dein erster Quilt aus?

Mein erster Quilt bestand aus Hexagonen mit einer Größe von einem 1 Euro Stück. Das war gleichzeitig mein erster Kurs bei Irene Kahmann in München im Gasteig. Der Quilt ist immer noch nicht fertig. Das nehme ich immer dahin mit, wo ich keine Nähmaschine brauche.

glueckwunschkarte mit hexagonen e modlmayr

Aber mein wirklich erster richtiger Quilt war ein Amisch Quilt, da habe ich mich anstrengen müssen mit der Farbe. Damals habe ich auch die Geschichte der Amisch Quilts mitbekommen. Ich habe mattes Blau, ein helles Blau und ein dunkles Blau mit der Kontrastfarbe Orange gewählt. Das Motiv war ein Korb, Basket . Es ist ein Kinderbettquilt. Der Quilt war auch in Ausstellungen zu sehen: in München und in Gröbenzell bei „Gröbenzell ist bunt“.

amish basket e modlmayr foto j v petersdorff

- An welchen Ausstellungen hast du teilgenommen?

Ich war lange Zeit in der Quiltgruppe in Neuhausen. Da gab es alle drei Jahre eine Ausstellung und dann natürlich die Ausstellungen mit der Gröbenzeller Quiltgruppe. Mein Familienquilt war auch in Neuhausen ausgestellt. Und jemand hat gesagt, dass das der tollste Quilt in der Ausstellung gewesen sei.

- Nähst du lieber traditionelle Quilts oder nähst du lieber Art Quilts?

Ich stehe da mittendrin, was mich gerade so anzieht. Zum Beispiel der Quilt mit dem grünen Kreuz. Da war ich beim Familientreffen in Bad Doberan in der großen Kirche, wo das Kreuz hängt. Da wollte ich dann einen Quilt mit dem Motiv machen. Zufällig sah ich die eingepackten Pralinen und denke: „Mensch, das ist ja der Goldton von dem Kreuz in Bad Doberan.“ In Friedrichshafen habe ich dann eine grüne Litze gefunden, das waren genau die Farben von dem Kreuz aus Bad Doberan. Wenn die Sonne auf den Quilt scheint, denkt man, das ist Glas, bei Regen siehst du dann grün angestrichenes Blech. Das Kreuz hat mich also so fasziniert, dass ich den doch von der Technik her einfachen Quilt genäht habe. Dagegen ist der Quilt „Die Tränen des Harlekin“ sehr aufwändig. Für jedes Teil braucht man eine Schablone, 63 oder 68 Teile. Ich finde es schön, wenn man auch mal für eine Sache viel Zeit braucht. Mir ist es egal, wie lange ich brauche, wichtig ist, dass es schön ist, wenn es fertig ist.

- Hast du schon einmal Quilts verkauft?

Einen oder zwei, aber eigentlich sind die Quilts meine Kinder. Es kommt mir so vor, als wenn du neun Monate damit schwanger gehst und plötzlich ist der Quilt dann auf der Welt. Es kommt immer darauf an, wie viel Gefühl man damit einnäht. „Genähte Erinnerungen“ war das Thema des Familienquilts. Dafür hat mein Mann für mich Familienfotos mit dem PC ausgedruckt. Damals sagte er: „Das eine sage ich dir, wenn der PC kaputt geht, bekomme ich einen neuen.“ Auf dem Quilt ist auch mein kleiner Bruder im Korbwagen zu sehen. Alte Monogramme hatte ich gesammelt und sie verwendet. Neu waren Zwirnknöpfe aus dem Ausverkauf aus einem Stoffgeschäft in Freiburg. Alles andere waren alte Sachen, an denen hänge ich. Der Qult hängt bei mir im Schlafzimmer. Das ist halt Familie. Da sind das Hochzeitbild von meinen Eltern, und mein Mann mit meinen zwei Söhnen bei unserem ersten Weihnachtsfest nach dem Umzug nach Pasing. Quilts erinnern einen an solche Sachen, was man nicht vergisst, wo du innerlich dran hängst.

- Woher bekommst du deine Inspirationen?

Durch Zufall, ich bin nicht eine, die sich einen Plan macht und dann mache ich es so. Ich fange an und arbeite frei. Ich mache mir keine Vorlage, um danach zu nähen. Nur beim Klimt Quilt habe ich das gemacht.

- Warum bist du gerne in der Gröbenzeller Quiltgruppe?

Ich bin seit 1993 in der Gruppe. Es ist eine Gemeinschaft und man hat ja gemerkt, wie es einem abgegangen ist, wo wir uns nicht treffen durften. Und was auch schön ist, dass man während des Workshops auch fragen kann, zuhause ist man doch eher ein Einzelkämpfer. In der Gruppe zu sein, das ist halt etwas Ganzes. Und jemand hat mich gefragt, wieso ich immer zu den Gruppentreffen gehe. Es gebe doch auch Bücher. Bücher lese ich dazu noch, aber das Urteil der anderen Quilterinnen in der Gemeinschaft ist doch ein toller Effekt. Ich habe das Quilten von der Pieke auf gelernt, in den Kursen von Irene Kahmann, und bin froh darüber. Natürlich muss man ein gutes Verhältnis zur Nähmaschine haben. Ohne Nähen könnte ich es mir nicht vorstellen. Man hat auch eine Herausforderung. Bei manchen Quilts bin ich ja schon(ein)mal mit Bauchschmerzen ins Bett gegangen. Du wusstest nicht, wie es weitergeht.

- Ist dir schon einmal etwas komplett danebengegangen? Hast du schon einmal etwas in die Tonne gestopft oder einen Quilt nicht zu Ende genäht?

Das ist mir noch nie passiert.

-Was war dein schönstes Erlebnis als Quilterin?

Das war, als Irene Kahmann mich gefragt hat, ob ich in die Gröbenzeller Quiltgruppe eintreten möchte. Sie müsse aber vorher noch die Gruppe nach deren Einverständnis fragen. Heute ist es einfacher. Dann durfte ich tatsächlich anrücken, und dann wurde beschlossen: Du bist aufgenommen. Das hat mich sehr gefreut. Die Gruppe ist gleich nach Israel geflogen und ich hätte auch mitfliegen dürfen, aber familiär ging es dann nicht.

 

- Welches Thema hat dich am meisten angesprochen?

Das Thema „Klimt“, weil ich das sehr gut hingekriegt habe. Ich wusste lange nicht, was ich machen soll. Auf dem Essplatz habe ich mir dann einen großen Zettel hingelegt. Mein Mann fragte: „Was soll der Zettel da?“ Meine Antwort: „Liegen lassen! Ich brauche eine Inspiration.“ Jedes Mal, wenn ich die Treppe runterging, war der Zettel weiß, aber plötzlich kam die Idee: Ich habe dann Linien gezeichnet, ich war stolz darauf. Ein Bekannter, ein Graphiker, fragte dann: „Wer hat denn den Entwurf gemacht?“ „Ich.“ war meine Antwort und er: „Respekt!“ Da habe ich mich gut gefühlt.